Zara 

Der Film erzählt von der Befindlichkeit von Menschen, die gezwungen werden, das Fremdsein als äusseres, aber auch als inneres Schicksal zu leben.

Dieser Zustand ist eine Zusammenfassung von verschiedenen Zeitebenen, eine verlorene Vergangenheit, eine verletzte Gegenwart, eine mit Hoffnung gefärbte Zukunft. Zara ist ein Ort ausserhalb aller Orte und  liegt in einer offenen Ebene, umringt von verlassenen Bauten und Ruinen. In dieser Einöde suchen die Figuren das, was sie verloren haben: ihre Briefe, ihre Kindheit, ihr Haus.

Zara bildet den Mittelpunkt der Suche nach der Geborgenheit – einer Suche, bei der das Erinnerte und das Geträumte sich im Imaginären zu entfalten beginnt. In Zara wird Cem gefeiert – eine Zeremonie über die Kluft zwischen der Materie und Seele.

 

Das Wort ZARA ist abgeleitet vom

Zarathustra und bedeutet so viel wie

 „Die Geburt des Weges“

Regie: Ayten Mutlu Saray

Drama // CH, NL, TR, AT 2009 // 85 min // 35 mm // Farbe // OVdf

Swiss Film Award 2009: Best Film Music

Kinostart:  Herbst 2010

 

 

Mohamed Said-Ouma, Programmverantwortlicher des FIFA

(Festival internationale du film d’Afrique et des îles)

schreibt über den Film:

Im ersten Langspielfilm der Regisseurin Ayten Mutlu Saray tritt man in eine kunstvolle und präzise Bilderwelt, eine Welt voller Irrungen und Wirrungen in einer minimalistischen Landschaft, eine Welt, in der Schmerz und vererbtes Leiden in den Gesichtern der Figuren eingraviert scheinen.

Eine in rot gekleidete junge Frau liegt scheintot im Flussbett und ihre blonde Freundin fragt: „Was ist die Bedeutung von Zara?“ „Die Geburt des Weges, ‚Zara’ ist das Gegenteil des Todes“, antwortet die Stimme.

Der Tod, das Leiden und die Widerstandskraft sind so verinnerlicht, dass diese in den Gesten zum Vorschein kommen. Auch in den sorgfältig komponierten Sequenzen ist die allgegenwärtige, jedoch unsichtbare Gewalt spürbar. Und so wird ZARA für den Zuschauer zu einer beklemmenden visuellen Erfahrung.

Die gleitenden Kamerabewegungen, die bedrohende militärische Anwesenheit im Hintergrund, die ätherische Klanglandschaft und der akkurate Umgang mit den Farben führen den Zuschauer ins Zentrum des politischen und sozialen Kontexts von ZARA. 

 „Zara“ oder der Weg nach Zara führt uns in einem verlassenen Ort mit kleinen Feuerstellen oder kochenden Wassertöpfen bei einem Verrückten, der die Botschaft des Films auf seinen Rücken trägt, „Wir sind der Garten. Die Rose ist bei uns“. Ist er Reinkarnation von Leiden oder Weisheit trotzt Infamie? Vielleicht beides.

Ayten Mutlu Sarays erster Langspielfilm verliert sich nicht in Spielereien. Die Regisseurin widersteht der Versuchung, sich den gängigen Klischees zu bedienen. Der Film ist grenz- und genreüberschreitend. Die Beklemmung, die wir empfinden, wird durch die organische Tonspur vom Komponisten Marcel Vaid erträglich. Der Film ist ein poetischer Protest gegen errichtete Mauern, Grenzen, welche die Menschen voneinander trennen.„Zara“ oder die Geburt einer neuen Autorin und die Wiedergeburt eines Wegs für uns alle, lebend in unserer konfusen südlichen Hemisphäre in muslimischen Ländern, kreiert eine neue Sprache der Liebe.

Moroni, Dezember 2010

 
 
 
 
 
 

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