La mort en exil

 

Nach einer wahren Geschichte eines im Ausschaffungsgefängnis wartenden jungen Palästinensers erzählt der Film von Khaled Abu-Zarifa der mit 27 Jahren im Züricher Ausschaffungsgefängnis ums Leben kam. Durch die Ausschaffungspraxis "Level  3" verloren mehrere Asylsuchende in Europa ihr Leben.

 

Die Thematik des Films ist höchst brisant: Reflektiert werden die Zustände der Ausschaffung von in der Schweiz nicht geduldeten Ausländern. Ayten Mutlu Saray hat einen besonders schwer wiegenden Einzelfall herausgegriffen und ihn fiktionalisiert. La mort en exil beruht auf den wahren Begebenheiten, die sich im März 1999 in der Schweiz ereigneten und mit dem tragischen Tod des von der Abschiebung betroffenen Asylbewerbers Khaled Abuzarifa endeten.

In unprätentiösen Bildern zeichnet die Regisseurin, die La mort en exil an der Ecole Supérieure d’Art Visuel in Genf produzierte, den unaufhaltsamen Weg des Protagonisten von der Ausschaffungszelle bis zu seinem Tod nach. Sein persönliches Schicksal bleibt dabei im Hintergrund. Ohne Erklärung bleibt auch die Ablehnung des Asylantrags. Khalils Bewacher werden als Menschen dargestellt, die teilnahmslos ihren Dienst nach Vorschrift erledigen. In pedantischer Pflichterfüllung kümmern sich die Wärter und Beamten um den Gefangenen.

La mort en exil erzählt die Geschichte von Khalil, einem Palästinenser, der für einige Zeit in Algerien Asyl gefunden hatte und auf eine Aufnahme in der Schweiz hoffte. In seiner Ausschaffungszelle lässt er die Befragung Revue passieren, bei der seine Lebensstationen durch die Registrierung zu anonymen Daten wurden. Diese Bilder vermischen sich mit Erinnerungssequenzen an vertraute Gesichter und ferne Landschaften. Sie strömen über ihn herein, bis sie zu Realität werden und in dieser Form bedrohlich wirken. Khalil ist in Abschiebehaft und versucht, sich der Ausweisung zu widersetzen. Der Gefangene wird gefesselt und geknebelt, um jegliche Gegenwehr auszuschliessen. Die Reise ins Ungewisse kann beginnen. Doch führt eine «unglückliche» Verknüpfung von Ereignissen zum überraschenden Tod Khalils. Genaue Erklärungen dafür werden im Film angedeutet, jedoch keineswegs verurteilend in den Vordergrund geschoben. Die Geschichte hinter den Bildern soll die Betrachter aufrütteln.

Sarays Film wurde in Cannes im Rahmen von «Cinéfondation», der Kategorie von Abschlussfilmen aus Filmschulen, gezeigt. La mort en exil ist ein politischer Protestfilm, der eindringlich auf die verborgenen Abläufe von Ausweisungen hinweist, die in allen europäischen Ländern zur Tagesordnung gehören. Der Tod des Asylbewerbers Khaled Abuzarifa ist kein Einzelfall.

Andrea Reiter, Cinema 2002

Regie: Ayten Mutlu Saray

Drama // CH 2002 // 30 min // 35 mm // Farbe // OVdf

Swiss contemporary  Art Award 2002

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